BLUMEN AM STIEL
15-09-2011 von Carmen Hocker
Nach einem Glacé gelüstet es mich nur an heissen Sommertagen. «Blumen am Stiel» kann ich dagegen das ganze Jahr über vernaschen. Damit meine ich nicht die kunstvoll gebundenen Sträusse, die man zu besonderen Anlässen verschenkt. Nein, dabei denke ich an die kleine Blumensünde zwischendurch.
Meist erwischt es mich auf dem Markt. Dort spielt eine junge Blumenverkäuferin geschickt auf diese auffallend weibliche Schwäche an. Ihr Stand hat keinen Schnickschnack, nur ein paar Weidenkörbe voll saisonaler Blumen, die einem im Vorbeigehen anlachen. Das heisst, vorbeigehen ist gar nicht möglich. Und sei es nur, um eine einzelne strahlende Pfingstrose oder eine nostalglische Hortensienblüte mit nach Hause zu nehmen. Zu verführerisch blinzeln die Blumenschönheiten einem zu, als ob sie sagen wollten «Ich bin so zart und unscheinbar, dass Dein Mann uns nicht einmal bemerken wird.»
Eben, das ist auch ein Reiz dieser kleinen Luxuskäufe. Da man sie quasi heimlich tätigen kann, braucht man auch keinen Grund für sie. Was ich damit sagen will? Kehren Sie Ihre Warenpräsentation um. Die kunstvollen Geschenksträusse und Arrangements bleiben im Laden, da man nach ihnen ohnehin gezielt sucht. Draussen zeigen Sie vor allem «Blumen am Stiel», die alle zu rufen scheinen «Nimm mich mit!» Denn um zu sündigen, muss man nicht nur offen dafür sein, es braucht auch einen Verführer – oder eine Verführerin. Der Blumensünde erliegt man spontan, ungewollt und mit einem schlechten Gewissen, einem kleinen ...
